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Kunstraum Alexander BürkleAusstellung

Adresse

Robert-Bunsen-Straße 5
79108 Freiburg

Di–Fr 11–17 Uhr 
So+Feiertags 11–17 Uhr

Eintritt frei

Für die Ewigkeit – Archivarische Strategien in der Kunst

8. Oktober 2017 – 18. Februar 2018

Ein Archiv versammelt historisch bedeutsame Dokumente kulturellen, rechtlichen oder politischen Ursprungs, die  ausgewählt, katalogisiert und konserviert – der Wissenschaft und Öffentlichkeit als Zeitzeugnisse dienen. Mit ihrer Hilfe kann sich eine Gesellschaft an das Vergangene in jeder Gegenwart neu erinnern. Im digitalen Informationszeitalter des 21. Jahrhunderts fällt dem Archiv, sowohl als ideeller als auch nunmehr virtueller Ort, und seinen Speicherfunktionen eine neue Bedeutung zu. Denn das Generieren von immer neuen und unermesslichen Mengen von Datensätzen stellt mittlerweile einen Dauerzustand dar. Während Zettelkästen von der Bibliotheks-App genauso wie das Fotoalbum von der Cloud abgelöst wurden, nimmt gleichzeitig die Menge an Gespeichertem ständig weiter zu. Auch ein Grund dafür, dass es dem Menschen scheinbar ein besonderes Bedürfnis ist, nicht mehr bloß Spuren der eigenen Existenz zu sichern und für die nächste Generation zu bewahren, sondern die Kontrolle über jene Datenflut zu erlangen, die überhaupt erst durch sich stetig weiter entwickelnde Speichermedien entstanden ist. So beschäftigen sich in jüngster Zeit zunehmend nicht nur Bibliothekare, Registrare oder Archivare mit dem Verwahren von Bedeutungsvollem, sondern immer mehr Softwareentwickler damit, wie mit dem Problem des unaufhaltsamen Anwachsens der Datenmengen umgegangen werden kann. Auch in der bildenden Kunst haben archivarische Strategien nicht erst seit der Digitalisierung Konjunktur, aber seitdem ist ein neues, verstärktes Interesse spürbar. Von den Wunderkammern der Spätrenaissance über den umfangreichen, Ende der 1920er Jahre entstandenen Bilderspeicher des Kulturwissenschaftlers Aby Warburgs, dem sogenannten Mnemosyne Atlas, bis hin zu Marcel Duchamps legendärer Serie, den Boîtes-en-valise, die Miniatur-Reproduktionen ausgewählter Werke von ihm in Kästen enthält und so ein Werkverzeichnis vorwegnimmt: In diesen ausgewählten kunsthistorischen Beispielen deutet sich an, wie durch das Sammeln, Speichern, Archivieren das Sichtbare – das, was das Bild zeigt – bedeutungsstiftenden Ordnungen unterstellt wird. Auch heute legt eine Vielzahl von Künstlern Archive unterschiedlichster Inhalte an, um einerseits eigene Werke, Materialien, Gegenstände, aber auch zunehmend digitale Daten des eigenen Lebens oder der künstlerischen Tätigkeit zu bewahren, ordnen und „zu-sehen-geben“. Darüber hinaus spiegeln sich in solchen Arbeiten stets auch Auseinandersetzungen mit der prinzipiellen Speicherfunktion von Bildern wieder und daraus resultierenden Wahrnehmungsprozessen, in denen schließlich wiederum Erinnerungs- und Assoziationsvermögen des Betrachters bewusst einkalkuliert sind. Bei der Auswahl der Künstlerinnen und Künstler ist es uns einerseits ein Anliegen unsere eigene Sammlung und die darin vertretenen Positionen zu berücksichtigen. Andererseits möchten wir uns auf jüngere Kunstwerke beschränken. In der Kunstproduktion der letzten zwanzig Jahre zeigt sich, dass archivarische Strategien nicht nur z.B. bei dem in der Regel mit Speicherkapazitäten verbundenen Medium Fotografie zum Tragen kommen, sondern ebenso in der Malerei oder plastischen Arbeiten. In dem Zusammenhang ist ebenso auffällig, dass auf der Grundlage digital entstandener und gespeicherter Daten wiederum Bilder herkömmlich analog oder manuell hergestellt werden, d.h. gezeichnet, gedruckt, geformt oder arrangiert. So rückt das künstlerische Material an sich in den Mittelpunkt und die Frage, womit Künstlerinnen und Künstler arbeiten, um Bilder zu produzieren, die nicht allein als Speicher per se verstanden werden sollten, sondern als Ordnungen des Sichtbaren.

 

Künstlerliste

Jill Baroff, Viktoria Binschtok, Hanne Darboven, Peter Dreher, Philipp Goldbach, Katrin Herzner, On Kawara, Nick Koppenhagen, Ingo Meller, Helen Mirra, Susan Morris, Andrea Ostermeyer, Peter Piller, Maria Tackmann, Matten Vogel, Daniel Wrede, Ulrich Wüst

Einblicke in die Ausstellungsräume erhalten Sie hier

Unser Vermittlungsprogramm zur Ausstellung als PDF-Datei

Unsere Einladungskarte als PDF-Datei